Berlin beherbergt unzählige Expats aus aller Welt. Manche von ihnen sind kreative Köpfe wie Alyssa Schleger aus Kalifornien. In ihrem Fall dreht sich alles um Retro-Mode. Und damit ist sie hier genau richtig.
Vor drei Jahren, mit 20, verließ die aufgeweckte junge Frau Kalifornien in Richtung eines Kontinents namens Europa. In London fand sie einen anderen Zugang zu Leben und Kreativität – genau das, was sie gesucht hatte. Angetrieben von dem, was sie während ihres Modemarketing-Studiums in Großbritannien lernte, gründete sie eine Retro-Mode-Seite namens Thee Cultivator.
Sommer der Liebe
„Am Anfang war es eher ein Hobby. Ich habe die Sachen wirklich nur für mich selbst getragen. Dann habe ich gemerkt, dass ich diese Art von Mode auch verkaufen kann”, erzählte sie unserer Publikation, als sie, gebrtemst von der Coronakrise, begann. Retro-Mode hatte schon immer ihre Fans. Inzwischen sind die Farben und Stile der 1960er- und 1970er-Jahre sowohl in den USA als auch in Teilen Europas wieder angesagt.
In San Francisco, wo Alyssa Schleger zuvor zur Schule gegangen war, war es leicht, an Vintage-Kleidung zu kommen. „Weil dort die Summer-of-Love-Bewegung stattfand. Aber auch Leute außerhalb der Stadt wollten das haben”, erinnert sie sich. Geboren wurde Alyssa Schleger zwar erst drei Jahrzehnte nach dieser Bewegung, doch auch sie trägt gerne Mode der 1970er.
„2018 habe ich damit angefangen, parallel zu meinem Studium in London”, erzählt Alyssa Schleger ein Jahr später in einem ebenso glutenfreien wie veganen Restaurant in Kreuzberg. Die junge Frau, die die kalifornische Sonne gegen den Regen von London und Berlin eintauschte, kam im Sommer 2019 in die deutsche Hauptstadt, verschwand dann vorübergehend wieder nach Kalifornien, um später endgültig in Berlin anzukommen.
Westdeutscher Vintage-Look
„Ich fühle mich in Berlin auf eine Weise zuhause, wie ich es in keiner anderen Stadt zuvor erlebt habe”, sagt sie. „Eine wunderschöne Collage aus einzigartigen Persönlichkeiten aus aller Welt – die Stadt akzeptiert alle Perspektiven, Stile und Formen kreativen Ausdrucks. Das macht sie zu einem Inspirationszentrum für Kreative.” Genau das war es, was sie nach Berlin zog.
Einmal hier angekommen, wurde Thee Cultivator zu dem Projekt, in das sie sich wirklich hineinsteigerte. Ihr Geschäft nahm plötzlich Fahrt auf. Da alles, was Alyssa Schleger in ihrem Shop anbietet, aus Einzelstücken besteht, sind die richtigen Beschreibungen entscheidend. Wie wäre es mit einem „Vintage 1970s Tan Suede Psychedelic Grooves Cape Poncho” oder dem „Vintage 1960s Mod Studded Cream Leather Glam Rock Buckle Belt”? Diese Stücke klingen genauso großartig, wie sie aussehen.
„In Berlin finde ich viel deutschen Vintage-Stil, noch mit den ‘Made in West Germany’-Etiketten dran, während in London die Sachen aus aller Welt kommen.” Insgesamt sei der stilistische Unterschied zwischen den beiden europäischen Städten aber gar nicht so groß, so die Retro-Mode-Expertin aus den Staaten.
Mode und Umwelt
Aber „in Berlin wird Vintage anders wahrgenommen. Es ist hier üblicher, sie zu tragen, als in London. Ich glaube, das hängt mit der Beliebtheit von Fast Fashion in London zusammen. Dort ist einfach alles so billig und verfügbar” – noch mehr als in Berlin.
In London gebe es in der breiten Öffentlichkeit vielleicht ein Stigma, wonach Vintage als schmutzig gelte. „Aber es gibt trotzdem jede Menge Leute, die es lieben.” In London sei es eher darum gegangen, mit den Trends zu gehen und bei Ketten wie H&M einzukaufen, sagt Alyssa Schleger. „Hier haben die Leute die Wahl zwischen ‘Zara’ und dem Vintage-Laden – und entscheiden sich eher für Letzteres.”
Wie sich herausstellt, sind „Berliner bewusster, was ihre Einkäufe und deren Auswirkung auf die Umwelt angeht.” Echte Retro-Mode – also Kleidung, die nicht nachgemacht, sondern tatsächlich vor Jahrzehnten produziert wurde – sei heute sauberer, weil bei der Herstellung keine Chemikalien mehr in Flüsse oder Böden gelangen, sagt Alyssa. Kleidung zu recyceln sei grundsätzlich gesünder für alle, und wenn es dazu noch stilvoll ist wie bei Thee Cultivator, fühlen sich umweltbewusste Käufer gleich doppelt gut dabei.
Gesättigte Farbtöne
„Für mich ging es schon immer ums Vintage-Shopping. Das habe ich einfach genossen. Ich mochte es, Looks zusammenzustellen, die sonst niemand hatte. Es ist eine ganz eigene Form von Selbstausdruck”, erklärt Alyssa Schleger. „Als ich anfing zu verstehen, wie schädlich Mode für die Umwelt ist, wurde daraus etwas Tieferes. Es ging plötzlich darum, bereits existierende Kleidung zu nutzen.”
Farben – darum drehte sich während der Flower-Power- und Woodstock-Zeit alles. Die Mode jener Jahre wird man nie mit etwas anderem verwechseln. „Die verwendeten Farbtöne waren viel gesättigter, viel lebendiger. Ich habe eine geblümte Bluse mit lauter Regenbogenfarben. So etwas Grelles sieht man heute nirgendwo mehr.”
Nun, bei Thee Cultivator schon. Von Berlin aus verschickt Alyssa Schleger Bestellungen in die USA, aber auch an Kunden in Europa, darunter Deutschland. Die meisten sind von ihren Käufen begeistert und bewerten den Shop auf der Plattform Etsy mit fünf Sternen.
Berlin im Bild
Wegen der vielen Bestellungen muss die neue Berlinerin ständig arbeiten, auch nachts und am Wochenende. Auch als Problemlöserin ist sie beschäftigt. Einmal versagte das Versandunternehmen: Plötzlich kamen Dutzende Pakete zurück, weil sich die Regeln geändert hatten – ohne dass ihr jemand Bescheid gesagt hätte. So viel zum Thema deutsche Bürokratie.
Wenn sie zwischendurch doch einmal ein paar Stunden Zeit findet, erkundet Alyssa Schleger gerne Berlin, geht auf Konzerte und trifft ihre neuen Freunde. Wofür ihr derzeit weniger Zeit bleibt, ist die Fotografie. Könnte sie, würde sie am liebsten rund um die Uhr Berlin fotografieren.
Inzwischen hat Thee Cultivator einen Laden in der Weserstr. 165, 12045 Berlin. Der Online-Shop ist hier erreichbar.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde erstmals auf The Berlin Spectator veröffentlicht. Im Zuge der Einrichtung dieses Blogs wurde er mithilfe von KI ins Deutsche übertragen. Neue Beiträge schreiben wir aber selbst.


